Ein Tag als Schiedsrichter – ein Bericht von Julian Meckfessel

Per Email bin ich für das Landesligaspiel BW Hollage – Germania Leer angesetzt worden. Aus der Ansetzung entnehme ich, dass um 17.00 Uhr am Hollager Benkenbusch die Partie stattfindet und mir meine Schiedsrichterassistenten Rafael und Martin zur Seite stehen.

Als Schiedsrichter braucht man neben einer guten Kondition auch ausgeprägte Regelkenntnisse. Daher ist neben regelmäßigem Joggen auch das Lesen von Regelzeitschriften Pflicht. Die Teilnahme an Belehrungsabenden stärkt neben der Gemeinschaft auch das Selbstbewusstsein im Spiel, da hier Szenen der Bundesliga aufgearbeitet werden und uns die Spielleitung erleichtern.

Die eigentliche Spielvorbereitung beginnt am Montag vor dem Spiel. Hier muss die Abholzeit der Assistenten geklärt und sich über die Partie informiert werden. Neben der Tabellensituation beider Mannschaften sollte man auch über die vergangenen Partien Bescheid wissen. So ist es wichtig, dass man mögliche „Problemspiele“ bereits im Vorfeld als solche wahrnimmt.

In diesem Fall trifft der Tabellenvierzehnte auf den -siebzehnten. Die beiden Teams trennen nur zwei Punkte. Hieraus kann man schließen, dass es für beide Teams wichtig ist, zu punkten, um den Abstiegsplätzen zu entfliehen. Oft werden solche Spiele besonders ehrgeizig, kämpferisch angegangen.

Nach 30 Minuten gemütlicher Fahrt treffen wir drei um 15.50 Uhr in Hollage ein. Es bleibt somit genügend Zeit, um sich auf das Spiel vorzubereiten. Nachdem uns von Hollager Seite mitgeteilt wird, dass wir auf Kunstrasen spielen, machen wir eine Platzbegehung. Sind die Tornetze heile? Sind alle Linien gut erkennbar? Auf welcher Seite stehen die Trainerbänke? Nachdem wir dies erledigt haben, klären wir im anschließenden Gespräch mit den Teamoffiziellen beider Mannschaften die Farben der Spielkleidung beider Mannschaften sowie der Torhüter. Anhand dieser Informationen können wir gewährleisten, dass sich die Trikots nachher nicht zu ähnlich sehen und es zu Verwechslungen kommt. Auch können wir uns nun eine Farbe des Schiedsrichtertrikots aussuchen. In einer Gespannsbesprechung bereiten wir uns auf das Spiel vor, indem wir das Vorgehen bei Foulspielen, Abseitssituationen und anderen möglichen Spielsituationen besprechen. Hiermit möchten wir erreichen, dass wir drei eine „einheitliche Linie“ haben.

Auf dem Weg zur Kabine bekommen wir die Mannschaftsaufstellungen beider Mannschaften. Nachdem wir uns umgezogen haben, wärmen wir uns gemeinsam auf. Auf dem Rückweg zur Kabine treffen wir unseren Schiedsrichterbeobachter, der uns mitteilt, dass er uns heute beobachten wird. Hiermit soll eine objektive Bewertung des Schiedsrichters erfolgen. Zum Ende der Saison entscheiden diese Beobachtungen dann über Auf- und Abstieg der Schiedsrichter.

Zusammen mit den Mannschaften laufen wir ein und werden von knapp 150 Zuschauern empfangen. Nach der Begrüßung geht es los. Nun heißt es volle Konzentration!

Während des Spiels ist eine funktionierende Teamarbeit unerlässlich. So unterstützen Martin und Rafael mich bei Foul-, Abseits- und Tor-/Seitenaussituationen. Mithilfe der Funkfahnen und abgesprochener Handzeichen verständigen wir uns nonverbal. Eine gute Harmonie auf und neben dem Platz ermöglicht uns auch das Lösen kniffligster Situationen.

Nach 90 spannenden Minuten gewinnt Hollage nach einem 0-2 Rückstand noch mit 4-3. Am Ende steht eine gelbe Karte auf Hollager und zwei auf der Seite von Germania Leer. Nach der Verabschiedung begeben wir uns in die Kabine. Hier besprechen wir nun mit dem Beobachter in einer Nachbesprechung des Spiels mögliche Verbesserungsmöglichkeiten, Tipps und Hinweise. Nach dem Duschen müssen wir nun noch den Spielbericht online ausfüllen und Auswechslungen, Tore, gelbe und rote Karten eintragen.

Anschließend haben wir das Spiel beim gemütlichen Essen im Vereinsheim Revue passieren lassen. Nachdem ich Rafael und Martin nach Hause gebracht hatte, geht für mich nach sechs Stunden ein spannender, ereignisreicher Einsatz zu Ende.

Am Mittwoch nach dem Spiel bekamen wir die Beobachtung des Schiedsrichterbeobachters.

Was ist für dich das Besondere an der Schiedsrichtertätigkeit?

Neben der sportlichen Tätigkeit, hilft die Schiedsrichterei auch im Alltag. Man muss Entscheidungen treffen, mit denen nicht alle einverstanden sind und man daher auf Kritik stößt. Trotzdem muss man mit einem gesunden Selbstbewusstsein zu seinen Entscheidungen stehen. Diese Entscheidungen müssen teilweise unter großem Stress getroffen werden und man entwickelt daher eine Stressbeständigkeit, die hilft, auch in stressigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren.

Eine spannende Herausforderung ist auch die Tätigkeit als (Streit-) Schlichter zwischen zwei Mannschaften. Hier hilft eine gute Menschenkenntnis und eine kommunikative Spielleitung. Schiedsrichter zu sein stärkt auch die Teamfähigkeit, da man im Team unterwegs ist und gemeinsam Entscheidungen treffen muss. Man ist als Schiedsrichter auch Teil einer Gemeinschaft. Gemeinsam wird viel unternommen, ein Highlight ist das Jungschiedsrichterturnier, wo jugendliche Schiedsrichter aus ganz Niedersachsen den Sieger des Fußballturnieres unter sich ausspielen. Da man mit dem Schiedsrichterausweis freien Eintritt in die Fußballstadien bekommt, nutzen wir diese Möglichkeit für gemeinsame Bundesligafahrten. In den letzten Jahren konnten wir diese Fahrten u.a. nach Dortmund, Bielefeld und Hannover realisieren.

Seite zuletzt aktualisiert am: 10.12.2017