Ein Tag als Schiedsrichter – ein Bericht von Julian Meckfessel

Per E-Mail bin ich für das Landesligaspiel TUS BW Lohne – TV Dinklage angesetzt worden. Aus der Ansetzung entnehme ich, dass um 18.00 Uhr die Partie im Heinz-Dettmer-Stadion stattfindet und mir meine Schiedsrichterassistenten Julian Korte und Lukas Laumann zur Seite stehen.
Die beiden Vereine liegen nur knapp 10 Kilometer auseinander und auch deshalb werden dem Spiel nachher knapp 1.000 Zuschauer das Spiel verfolgen.

Als Schiedsrichter braucht man neben einem guten Fitnesszustand auch ausgeprägte Regelkenntnisse.
Die Teilnahme an Belehrungsabenden stärkt neben der Gemeinschaft auch das Selbstbewusstsein und die Sicherheit in Spielleitungen, da hier Szenen der Bundesligen aufgearbeitet werden und uns die Spielleitung und -führung erleichtern. In den Regelzeitschriften des DFB werden aktuelle Regelauslegungen erläutert und man erhält Einblicke in das Profigeschäft. So war beispielsweise in der letzten Ausgabe der Videoschiedsrichter ein großes Thema und wurde mit einem Besuch in der Zentrale in Köln-Deutz abgerundet.

Die eigentliche Spielvorbereitung beginnt am Montag vor dem Spiel. Hier muss die Abholzeit der Assistenten geklärt und sich über die Partie informiert werden. Neben der Tabellensituation beider Mannschaften sollte man auch über die vergangenen Partien Bescheid wissen. So ist es wichtig, dass man mögliche „Problemspiele“ bereits im Vorfeld als solche wahrnimmt.

In diesem Fall trifft der Tabellenvierzehnte auf den -siebzehnten. Die beiden Teams trennen nur zwei Punkte. Hieraus kann man schließen, dass es für beide Teams wichtig ist, zu punkten, um den Abstiegsplätzen zu entfliehen. Oft werden solche Spiele besonders ehrgeizig, kämpferisch angegangen.

Nach rund einer Stunde treffen wir drei um 16.50 Uhr in Lohne ein. Es bleibt somit genügend Zeit, um sich auf das Spiel vorzubereiten. Nachdem uns von Lohner Seite mitgeteilt wird, dass wir auf Kunstrasen spielen, machen wir eine Platzbegehung. Sind die Tornetze heile? Sind alle Linien gut erkennbar? Auf welcher Seite stehen die Trainerbänke? Nachdem wir dies erledigt haben, klären wir im anschließenden Gespräch mit den Teamoffiziellen beider Mannschaften die Farben der Spielkleidung beider Mannschaften sowie der Torhüter. Anhand dieser Informationen können wir gewährleisten, dass sich die Trikots nachher nicht zu ähnlich sehen und es zu Verwechslungen kommt. Auch können wir uns nun eine Farbe des Schiedsrichtertrikots aussuchen.
In einer Gespannsbesprechung bereiten wir uns auf das Spiel vor, indem wir das Vorgehen bei Foulspielen, Abseitssituationen und anderen möglichen Spielsituationen besprechen. Hiermit möchten wir erreichen, dass wir drei eine „einheitliche Linie“ haben.

Auf dem Weg zur Kabine bekommen wir die Mannschaftsaufstellungen beider Mannschaften. Nachdem wir uns umgezogen haben, wärmen wir uns gemeinsam auf. Auf dem Rückweg zur Kabine treffen wir unseren Schiedsrichterbeobachter, der uns mitteilt, dass er uns heute beobachten wird. Hiermit soll eine objektive Bewertung des Schiedsrichters erfolgen. Zum Ende der Saison entscheiden diese Beobachtungen dann über Auf- und Abstieg der Schiedsrichter.

Zusammen mit den Mannschaften laufen wir ein und werden von knapp 150 Zuschauern empfangen. Nach der Begrüßung geht es los. Nun heißt es volle Konzentration!

Während des Spiels ist eine funktionierende Teamarbeit unerlässlich. So unterstützen Julian und Lukas mich bei Foul-, Abseits- und Tor-/Seitenaussituationen. Mithilfe der Funkfahnen und abgesprochener Handzeichen verständigen wir uns nonverbal. Eine gute Harmonie auf und neben dem Platz ermöglicht uns auch das Lösen kniffligster Situationen.

Nach 90 spannenden Minuten gewinnt Lohne nach einem Rückstand noch mit 4-2. Nach der Verabschiedung begeben wir uns in die Kabine. Hier besprechen wir nun mit dem Beobachter in einer Nachbesprechung des Spiels mögliche Verbesserungsmöglichkeiten, Tipps und Hinweise. Nach dem Duschen müssen wir nun noch den Spielbericht online ausfüllen und Auswechslungen, Tore, gelbe und rote Karten eintragen.

Anschließend haben wir das Spiel beim gemütlichen Essen im Vereinsheim Revue passieren lassen. Nachdem ich Julian und Lukas nach Hause gebracht hatte, geht für mich nach sieben Stunden ein spannender, ereignisreicher Einsatz zu Ende.

Am Mittwoch nach dem Spiel bekamen wir die Beobachtung des Schiedsrichterbeobachters, eine schriftliche Darstellung unserer Nachbesprechung.

Neben der sportlichen Tätigkeit, hilft die Schiedsrichterei auch im Alltag. Man muss Entscheidungen treffen, mit denen nicht alle einverstanden sind und daher auf Kritik stoßen.  Diese Entscheidungen müssen teilweise unter großem Stress getroffen werden und man muss trotzdem mit einem gesunden Selbstbewusstsein zu seinen Entscheidungen stehen und entwickelt daher eine Stressbeständigkeit, die hilft, auch in stressigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren.

Eine spannende Herausforderung ist auch die Tätigkeit als (Streit-) Schlichter zwischen zwei Mannschaften. Hier helfen eine gute Menschenkenntnis und eine kommunikative Spielleitung. Jedes Spiel ist eine neue Herausforderung und hält immer neue Erlebnisse, Erfahrungen und Begegnungen bereit. Schiedsrichter zu sein stärkt auch die Teamfähigkeit, da man gemeinsam als Team unterwegs ist und gemeinsam Entscheidungen treffen muss. Man ist als Schiedsrichter auch Teil einer tollen Gemeinschaft. Gemeinsam wird viel unternommen, ein Highlight ist das Jungschiedsrichterturnier, wo jugendliche Schiedsrichter aus ganz Niedersachsen den Sieger des Fußballturnieres unter sich ausspielen. Da man mit dem Schiedsrichterausweis freien Eintritt in die Fußballstadien bekommt, nutzen wir diese Möglichkeit für gemeinsame Bundesligafahrten. In den letzten Jahren konnten wir diese Fahrten u.a. nach Dortmund, Bremen, Kaiserslautern und Hannover realisieren.

Seite zuletzt aktualisiert am: 06.10.2019